Kinder- und Jugendliteratur

ZITRONENKIND Nele Brönner

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Die Stimmung auf dem Zitronenbaum ist ausgelassen. Die Sonne scheint und dieses Jahr trägt er ausgesprochen viele gelbe Früchte. Zitronen, die allesamt supergute Laune haben, in der Sonne hin und herschaukeln und es kaum erwarten können, vom Baum zu fallen und dann in Köstlichkeiten verarbeitet zu werden – Zitronenmarmelade, Zitronenkuchen, Zitronenlimonade.
Bildschirmfoto 2020-02-26 um 08.03.00Naja – nicht alle. Alle außer Toni. Toni kann das alles gar nicht verstehen. Diese furchtbar gute Laune, das Gekicher und Geschaukel der anderen Zitronenkinder. Toni macht da nicht mit! Er bleibt im Schatten und er bleibt grün, er ist eher von der säuerlichen Sorte.

Es kommt, wie es kommen muss, Tonis Geschwister hüpfen nach und nach alle vom Baum. Aber Toni kann die ganze Euphorie nicht verstehen. Warum vom Baum fallen und in die weite Welt hinaus, wenn er doch von hier oben alles überblicken kann? Man sagt, nachdem die Zitronen vom Baum fallen, stünden ihnen sozusagen alle Türen offen. Sie können alles werden, Zitroneneis, oder sogar ein neuer Zitronenbaum. Aber Toni ist das egal. Oder doch nicht?

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Nachdem er so ganz alleine und grün am Baum zurückgeblieben ist, gerät Toni ins Nachdenken. Was, wenn doch etwas dran ist, an dem, was alle sagen? Was, wenn da doch noch viel mehr auf ihn wartet, als dieser Baum und der Blick in den Garten?

Bildschirmfoto 2020-02-26 um 08.03.08Zitronenkind ist ein Buch über das Wachsen und älter werden und darüber, dass manche – so wie Toni – etwas länger brauchen. Toni ist ein bisschen anders, zurückhaltender, ängstlicher und außerdem smaragdgrün. Er braucht zwar ein bisschen mehr Zeit als die anderen – die sind längst pflügge geworden, als Toni beschließt vom Baum zu springen – aber das ist gar nicht schlimm. Denn auch für Toni gibt es einen Platz: auf der Fensterbank, zwischen allerlei Schätzen und mit herrlichem Ausblick in den Garten. Um dort hinzugelangen, muss sich Toni aber erst mal etwas trauen: Er muss abspringen und die gewohnte Umgebung, seinen Zitronenbaum, verlassen.

In Nele Brönners Illustrationen verschmelzen Text und Bild. Comicartig kommen die Seiten daher. Die Zitronen, die Schätze auf der Fensterbank, der Affe auf dem Baum – alle haben sie dem Fließtext noch kleine Worte und Sätze hinzuzufügen.

Besonders schön sind auch die Illustrationen auf dem Vorsatzpapier. Ein Überblick über Zitronensorten, von denen weder die meisten Kinder noch Erwachsene je etwas gehört haben dürften. Denn wer kennt schon eine Zitrone Namens „Buddhas Hand“, eine alte Zitrussorte, deren Frucht an eine Hand mit vielen Fingern erinnert? Oder die Zedrat-Zitronen, deren Früchte schrumpelig und bis zu 2,5 Kilogramm schwer werden?


Zitronenkind. Nele Brönner. 32 Seiten. NordSüd Verlag 2020. Ab 4 Jahren.

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