Literatur

FAKE Frank Rudkoffsky

img_0722.jpgJan und Sophia sind Eltern geworden. Job, Karriere, Reisepläne, der Mittelpunkt ihres Lebens verschiebt sich, denn nun ist da Max. Sophia, die zuvor in der Karriereleiter bei Daimler nach oben kletterte, fällt die Veränderung in ihrem Leben schwer. Das Gefühl, dass im Job plötzlich Entscheidungen ohne sie getroffen werden, obwohl sie zuvor dachte, dass sie unersetzlich wäre, nagt an ihr. Im neuen Alltag zu Hause mit Max, fühlt sich Sophia eingeengt. Es gibt kaum ruhige Minuten, kaum Pausen für Sophia. Stattdessen schreit und schreit Max und Sophia wird müder, erschöpfter und frustrierter.Bildschirmfoto 2019-10-16 um 07.43.46

Jan ist Volontär in einer Tageszeitung. Er möchte als Journalist erfolgreich werden. Dass das im Bereich Journalismus seine Zeit braucht, davon lässt sich Jan nicht beirren. Auch sein Freund Martin arbeitet als Volontär in der Tageszeitung. Die Chancen, dass Jan nach dem Volontariat übernommen wird, schätzt er zwar als möglich ein, denkt aber, dass die Zeitung nur einen von ihnen beiden übernehmen wird. Doch Jan hat Pläne, überlegt sich genau, mit welchen Artikeln er punkten kann. Schließlich kommt es anders, als Jan es erwartet hatte. Martin bricht sein Volontariat ab, weil die taz ihm eine Stelle anbietet und Jan, der Martins Erfolg gegenüber zwar einen gewissen Neid verspürt, der sich aber zumindest seiner Stelle in der Tageszeitung sicher ist, wird nicht übernommen…

Bildschirmfoto 2019-10-16 um 07.30.47.pngIn „Fake“ stecken sowohl Sophia als auch Jan in einer Phase, in der sie sich konstant überfordert und frustriert fühlen. Sie beide haben auf allen Ebenen das Gefühl, Erwartungen nicht entsprechen zu können und doch fühlen sich Jan und Sophia alleine, isoliert mit ihren Situationen.

Als Jan für eine Berichterstattung über Pegida bei Facebook eine falsche Identität annimmt, ahnt er nicht, dass auch Sophia unter falschen Namen im Internet unterwegs ist. Die Wut, die sich in Sophia angestaut hat, muss sich Bahn brechen. Am besten aber so, dass nach außen hin nicht sichtbar wird, dass Sophias und Jans Gerüst gerade auf wankendem Grund steht. Also: Das Internet. Sophia beginnt zu trollen. Postet Hasskommentare in Mütterforen oder Vegetariergruppen. Jan fährt schließlich nach Dresden und begleitet unter seiner gefälschten Identität eine Gruppe Rechtsradikale auf eine Pegida Demonstration. Zwar fliegt er nicht auf, doch seine Berichterstattung läuft aus dem Ruder…

„Fake“ erzählt von jungen Eltern, die keinen Raum finden, um offen über ihre Gefühle zu sprechen. Neben allen Fake-Profilen, die Jan zur Rechersche und Sophia zum Trollen nutzt, scheint auch ihr Leben nach außen hin in ein Profil passen zu müssen. Die Nähe zu den Figuren, zieht einen schnell in die Erzählung hinein. Erzählt wird aus zwei Perspektiven, Jans und Sophias. Gerade diese Zweidimensionalität in der Erzählung macht einen großen Reiz des Textes aus, denn während Jan und Sophia jeweils in ihren eigenen Gedankenwelten versinken, sich immer und immer wieder um die eigene Achse drehen, möchte man Jan und Sophia am liebsten aufrütteln: „Sprecht miteinander, seid ehrlich!“, möchte man ihnen zurufen und beteuern, dass zusammen ganz sicher alles einfacher zu tragen ist als alleine.


Frank Rudkoffsky. Fake. 240 Seiten. Erschien im Herbst 2019 bei Voland & Quist.

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