Literatur

INTERVIEW Tobias Wilhelm

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Weißer Asphalt“, der Debütroman von Tobias Wilhelm ist kürzlich bei hanserblau erschienen. In einem Café in Mainz habe ich Tobias getroffen und wir haben über seinen Debütroman, über das Rhein-Main-Gebiet und über das Schreiben gesprochen…

Tobias, wo spielt dein Text und wie hast du dir diesen Raum erschlossen?
Ich bin im Rhein Main Gebiet aufgewachsen und habe über das geschrieben was ich kenne. Ich bin verwurzelt in der Gegend, das merke ich immer wieder, wenn ich her komme. Hier ist alles so nah beieinander, die Gegensätze, Hochhausblocks stehen fast unmittelbar neben Großstadtvillen, das ist unheimlich spannend. Meine Jugend war die Recherschezeit, auch wenn ich das zu der Zeit noch nicht wusste. Der Roman spielt vorallem in Mainz und Wiesbaden, teils auch in Frankfurt, das sind alles Orte, die mir vertraut sind. In „Weißer Asphalt“ werden Geschichten erzählt, die ich selbst erlebt habe, bzw. die mir erzählt wurden.


Also war zuerst der Raum da und die Figuren sind in einem zweiten Schritt entstanden?
Nein, auch die Figuren waren von Anfang an da. Keine der Figuren existieren genau so, aber es gibt Überschneidungen zum realen Leben. Es gab sozusagen viele Puzzelteile, die sich irgendwann zusammengefügt haben und ergänzt wurden, die sich zu einer Geschichte, zu einer roten Linie zusammengefügt haben.


Kannst du dich noch an den ersten Impuls erinnern? Eine erste Idee, ein erster Satz, ein erstes Bild, das den Grundstein für deinen Text gelegt hat?
Die Massenschlägerei auf dem Schulhof. Das war die erste Szene, die ich geschrieben habe. Das ist ja auch im Roman einerseits eine Zäsur, ein Ereignis, was krasse Spuren hinterlässt. Und andererseits ist da von Anfang an dieses Gefühl, das meine Figuren umgibt: dass man da nicht rauskommen kann und nicht rauskommen will. Es passiert ja nie ein Blick in die Weite, meine Figuren blicken nie über den Rand, sind immer in ihrem Kosmos.


Gibt es beim Schreiben eine bestimmte Vorgehensweise? Benutzt du Hilfsmittel (Skizzen, Notitzbücher, Pläne) um dir deinen Stoff zu strukturieren?
Ich bin mit meinem Roman sehr intuitiv vorgegangen und habe mich eher am Text entlang gehangelt. Ich habe Film studiert und komme aus dem szenischen Schreiben. Im Drehbuch geht es eher um Konzepte, davon wollte ich weg. Ich hatte Bock loszulegen, gleich szenisch zu werden, das mit Leben zu füllen und es nicht nur am Reißbrett zu entwerfen.


Hast du so etwas wie einen Arbeitsalltag im Schreiben?
Ich schreibe am liebsten nach dem Frühstück. Als allererstes. Nur Word auf, nicht nach E-Mails gucken. Das Schreiben als erste richtige Arbeit des Tages also. Da fällt es mir am leichtesten. Da bin ich wach und konzentriert. Klappt zwar nicht immer, ich versuche aber schon, jeden Tag dran zu sitzen. Mein Mentor hat mir mal gesagt, wenn man sich jeden Tag an den Text setzt, entwickelt man auch keine Schreibblokaden. Und so erlebe ich das auch. Wenn ich jeden Tag dransitze, dann komme ich irgendwie weiter. Irgendwas mache ich ja immer. Irgendein Autor hat mal gesagt, dass ein Mensch, der jeden Tag eine Stunde schreibt, für ihn ein Schriftsteller ist. So halte ich das auch und habe die Messlatte nie zu hoch gehängt. Auch heute sitze ich quantitativ nicht so lange dran. Mindestens eine Stunde eben. Viel passiert ja auch danach im Kopf.


Und wo schreibst du? Hast du einen festen Arbeitsplatz?
Ich habe ein Arbeitszimmer, am Rand der Wohnung, wenn ich da alle Türen zumache, dann höre ich kaum was. Einen Schreibtisch, mein Laptop und viele Bücher gibt es in dem Raum. Mein Schreibtischstuhl und Schreibtischlampe sind von meinem Großvater. Ich umgebe mich da mit Sachen, die ich gerne mag. Da muss auch alles genau so stehen, wie es immer steht.


Hast du in der Vorbereitung oder während des Schreibens an deinem Manuskript viel gelesen und wenn ja was?
Sich gezielt einzulesen finde ich gefährlich. Wenn ich etwas lese, muss ich mich erstmal davon distanzieren. Es gab aber Bücher, die wichtig für mich waren. Clemens Mayer zum Beispiel oder Jörg Fauser. Da hat mich die Stimmung in den Texten besonders interessiert. Ein anderes Werk, das wichtig für mich war, ist „Franziska Linkerhand“ von Brigitte Reiman.

Vielen Dank Tobias, für das Gespräch!

Ein Kommentar zu “INTERVIEW Tobias Wilhelm

  1. Pingback: My life is (not) a movie (Selim Özdoğan – Der die Träume hört; Tobias Wilhelm – Weißer Asphalt)

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