Literatur

WEISSER ASPHALT Tobias Wilhelm

img_0038.jpgSascha, Ariano, Fabio und der Ich-Erzähler wachsen im Rhein-Main Gebiet auf. Sie gehen zur Schule, kiffen, hängen im Schwimmbad ab. Am Kerb-Wochenende erklärt Sascha, dass es eine Schlägerei geben soll. Zwischen ihnen und den Russen, die „wollen sich boxen“, erklärt er. Als es dämmert machen sie sich auf den Weg zum Pausenhof ihrer alten Grundschule. Ein paar Leute haben sie noch zusammentrommeln können. Wie selbstverständlich werden Baseballschläger und Pfefferspray verteilt. Als die Russen kommen, zählt der Ich-Erzähler durch: Fünfzehn gegen über Dreißig. Dann wird alles unübersichtlich. Tritte, Schläge, blutige Gesichter, Blaulicht. Sascha und der Ich-Erzähler verlieren die anderen aus den Augen. Erst an der rosa Kappa-Jacke erkennt der Ich-Erzähler seinen Freund Ariano wieder, dessen Gesicht blutig und völlig zerschmettert ist.
Bildschirmfoto 2019-08-17 um 10.48.45Bald darauf schickt Arianos Mutter ihn zu seinem Vater nach Italien. Für die anderen geht alles weiter wie bisher. Fabio klaut Fiats, Sascha und der Ich-Erzähler dealen mit Drogen. Damit verdienen sie immer mehr Geld. Aber mit dem Geld steigt auch der Druck und die Verstrickung in die Kriminalität. Gewalt scheint hier im Zweifel immer eine Lösung zu sein.
Er solle sich eine ältere Freundin suchen, die würde ihn schon in den Griff bekommen, hatte sein ehemaliger Gefängnislehrer dem Ich-Erzähler geraten. In einen Brief an diesen schreibt der Ich-Erzähler, dass er das getan habe: Dana. Dana war früher mal mit Fabio zusammen, arbeitet im Sonnenstudio, gibt sich Mühe in der Schule und will nach dem Abi in Frankfurt studieren.Bildschirmfoto 2019-08-17 um 10.51.46.png
Als Fabio, Sascha und der Ich-Erzähler eines Nachts einen Club verlassen, klaut Fabio einen Fiat, weil ihm der Weg zum Bahnhof zu weit erscheint. Er ist viel zu betrunken und die Freunde versuchen es ihm auszureden, doch Fabio fährt los. Wenig später liegt der Wagen im Feld neben der Landstraße, Fabio eingeklemmt zwischen Lenkrad und Frontscheibe.

Tobias Wilhelm erzählt nicht bloß von der Brutalität und Gewalt, die das Leben der Freunde bestimmt, er widmet sich inmitten all dieser Wut und Aussichtlosigkeit seinen Figuren mit einem sensiblen Blick. Da ist Ariano, der an einem Tag noch wie ein kleiner Junge wirkt, genüsslich Honeypops direkt aus der Packung isst und am nächsten Tag schon mit zerschmettertem Gesicht im Krankenhaus liegt. Oder Sascha, der vor keiner Schlägerei oder Kriminalität zurückzuschrecken scheint, aber plötzlich ängstlich und haltlos überfordert wegen einer Eule ist, die eines Tages in seiner Garage sitzt.

„Weißer Asphalt“ erzählt die Geschichte einer Jugend, die leer und aussichtslos scheint und davon, dass alles sich verändern kann.


Tobias Wilhelm. Weißer Asphalt. 192 Seiten, erscheint am 19. August 2019 bei hanseblau.

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