Literatur

MILCHZÄHNE Helene Bukowski

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Die Brücke wurde gesprengt. Die Gegend, in der Skalde lebt, liegt abgeschottet. Das Haus von Skalde und ihrer Mutter Edith, der Garten, der an den Wald grenzt, die von Schlaglöchern durchzogenen Straßen, liegen mitten in einer bedrohlichen Welt, der enge Grenzen gesetzt sind. Nichts, denken die Bewohner der Gegend, kann dort hinein oder hinaus gelangen. Um die Gegend herum, so sagt man, würden Feuer wüten, könne kein Mensch überleben.

Doch auch das Leben in der Gegend ist nicht einfach. Die Sonne brennt vom Himmel und die Hitze lässt den Anbau von Obst und Gemüse immer schwieriger werden. Einzelene Vorräte gibt es noch, Konservendosen, Benzinkanister. Unter den Bewohnern hat sich ein Handelsgeschäft eingestellt, es wird getauscht und dort, wo man sich nicht einig wird, auch mit Gewalt genommen.
Bildschirmfoto 2019-07-24 um 07.17.57.pngDoch dann steht da vor Skalde ein Kind im Wald. Meisis nennt es sich, hat leuchtend rote Haare und scheint nicht aus der Gegend zu kommen.

Jetzt hast du den Verstand verloren“, sagt Edith als Skalde das Kind mit ins Haus bringt. Die Bewohner der Gegend sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Jede Veränderung wird kritisch begutachtet, als potentielle Gefahr gewertet. Fremde sind dort nicht wilkommen, denn die Ressourcen sind knapp und Bewohner fürchten, dass etwas der unbekannten und doch bedrohlichen Außenwelt in ihren vermeintlich sicheren Kosmos geraten könnte.

Seit Skalde ihre Milchzähne verloren hat, ist das Verhältnis zu ihrer Mutter Edith noch schwieriger geworden. Der Verlust der Milchzähne als Merkmal der Menschen, die in der Gegend leben. Edith hatte ihre Milchzähne nicht verloren. Wie das Kind tauchte sie einst in der Gegend auf. Die Bewohner wollten sie verstoßen, grenzten sie aus, wie sie es nun mit dem Kind tun werden. Dass Skalde eine von ihnen sei, wirft Edith ihrer Tochter vor und verkriecht sich Tage lang im Schrank oder sitzt regungslos in der Badewanne.Bildschirmfoto 2019-07-24 um 07.18.23.png

Das Kind löst das Schweigen zwischen Mutter und Tochter schleichend auf. Während Edith sich vorerst dagegen ausspricht, das Kind aufzunehmen scheint Meisis nach und nach etwas in ihr aufzuweichen. Edith isst wieder mehr, versorgt Meisis mit Kleidung, mit Schmuck.

Skalde versucht das Kind vorerst geheim zu halten. Doch lange funktioniert das nicht und Meisis wird für die Bewohner der Gegend zum Feindbild: Plötzlich ist es das Kind, das für alles Schlechte und Bedrohliche verantwortlich ist. Meisis wird regelrecht zur Jagdt freigegeben.

Helene Bukowski hat mit ihrem Debüt „Milchzähne“ einen postapokalyptischen Roman in literarischer Sprache geschrieben. Eine Erzählung, die eine enge und bedrückende Atmosphäre erzeugt, die im Fiktiven bleibt und sich doch immer wieder mit Erzählungen unserer Gegenwart zu verflechten scheint.

 


Helene Bukowski. Milchzähne. 256 Seiten, erschien im  2019 bei Blumenbar (Aufbau).

 

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