Literatur

BLAUPAUSE Theresia Enzensberger

IMG_9328Im kommenden Jahr wird das Bauhaus 100 Jahre alt. Romane über das Bauhaus gibt es wenige. Theresia Enzensberger hat einen geschrieben. „Blaupause“ erschien bereits 2017, sollte aber im Hinblick auf das kommende Bauhaus-Jubiläum 2019 nochmal aus dem Regal geholt werden!
Das Bauhaus: Das sind geometrische Formen, Funktionalität. Das sind teure Designer-Möbel und geradlinige Gebäudekomplexe. Bauhaus sagt uns etwas, vage zumindest und auf theoretischer Ebene. Teresia Enzensberger gelingt es, dieser Theorie literarische Lebendigkeit einzuhauchen und sie zugleich mit soziologischem Inhalt anzureichern. Der Roman lädt ein. Nicht alleine ins theoretische Fachwissen, sondern in die Bauhaus Universität selbst, in die Zeit der zwanziger Jahre.

1919, das Bauhaus wird in Weimar von Walter Gropius gegründet. Das Ziel: Kunst und Handwerk zu verbinden, Design und Funktionalität. Ein neuer, ein durch und durch avantgardistischer Gedanke in diese Zeit.

Bildschirmfoto 2018-12-21 um 20.08.55Bereits 1921 kommt in Enzenbergers Roman die junge Luise Schilling an das Weimarer Bauhaus um Architektur zu studieren. Das Gedankengut der Kunsthochschule scheint von außen betrachtet modern. Luises Welt und Luises Umfeld sind es nicht. Ihr Vater erlaubt das Studium nur, weil es am Bauhaus auch eine Weberei gibt. Obwohl Luise über Architektur nachdenken und an eigenen Modellen arbeiten möchte, verbringt sie doch einen Großteil ihrer Zeit in jener Weberei. Das ist nicht nur ihrem Vater, sondern auch der Hochschulleitung geschuldet. Das Bauhaus der zwanziger Jahre scheint in „Blaupause“ als ein patriarchales System auf, zu dem Frauen zwar Zugang, aber anschließend kaum Weiterentwicklungsmöglichkeiten haben.

Luise jedoch hat ihr Ziel Architektin zu werden vor Augen. Sie ist auf der Suche nach einem Weg dorthin und schließt sich einer Gruppe Studierender um den Lehrer Johannes Itten an. Itten verbreitet nicht nur eine künstlerische Lehre, sondern damit verknüpft auch eine spirituelle Lehre, die in das Leben der Studierenden hineingreift. Zu Luises Kunsthochschul-Alltag gehören in dieser Zeit auch Wanderungen, Fastenzeiten und vegetarische Ernährung.

1925 erfolgt ein Umzug der Kunsthochschule von Weimar nach Dessau. 1926 wird in Dessau das von Walter Gropius entworfene neue Bauhaus-Gebäude eingeweiht.

Bildschirmfoto 2018-12-21 um 20.12.02In Dessau setzt der zweite Teil des Romans an. Nachdem Luise das Bauhaus auf das Drängen ihrer Eltern hin verlassen musste, um eine Mädchenschule in ihrer Heimat Berlin zu besuchen, versucht sie es 1926 erneut. Sie erscheint zur Eröffnung des neuen Gebäudes. Sie bestaunt den vollständig verglastet Werkstattflügel und bekommt die Wohnhäuser, die zur Hochschule gehören, gezeigt. Im neuen Bauhaus trifft sie alte Bekannte wieder. Mit Luises Plan Architektin zu werden scheint es besser zu laufen. Nachdem sie Walter Gropius einige ihrer Pläne zeigt, wird sie in die Bauabteilung unter der Leitung von Hannes Meyer aufgenommen. Luise arbeitet ständig. Sie steckt alles in ihre Entwürfe einer eigenen Siedlung. Diese Entwürfe werden ihr schließlich jedoch aberkannt. Zu durchdacht, zu perfekt scheinen sie…

2019, im Jubiläumsjahr, wird es sicherlich diverse Möglichkeiten geben, in dies Bauhaus-Welt einzutauchen. „Blaupause“ von Teresia Enzensberger ist eine auf literarischer Ebene.


Blaupause. Theresia Enzensberger. 256 Seiten. Erschien 2017 bei Hanser.

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