Literatur

OPOE Donat Blum

IMG_8855Wenn man über Donat Blums Debütroman „Opoe“ spricht, sollte man zuerst die Sprache erwähnen. Die Sprache ist nämlich eine ungewöhnlich feine, detaillierte. Da erscheint einem jedes Wort präzise gewählt. Jedes scheint nötig und keines überflüssig.
In dieser Sprache entspinnt sich schließlich eine Erzählung, ein Zusammenhang vielleicht? Der Erzähler und Opoe, die Großmutter. Opoe stirbt und der Erzähler macht sich auf die Reise, geografisch und gedanklich. Er geht verschiedene Stationen ab, fragt nach dem Leben seiner Großmutter, nach einer anderen Zeit, nach Orten, nach Menschen und endet schließlich immer wieder bei sich selbst. Ein Befragen der Wirklichkeit und Vergangenheit, welches ihn immer wieder auf sein eigenes Leben zurück wirft. Auf seine Frage nach der eigenen Identität, auf sein Empfinden, auf seine Entscheidungen.

Bildschirmfoto 2018-11-22 um 11.48.32Vielleicht erfahren wir von Opoe noch eine stringentere Erzählung als von dem Erzähler selbst. Opoe, die in die Schweiz zieht, die in einem Blumenladen arbeitet, die von ihrem Mann betrogen wird. Irgendwann dann Opoe im Alter, alleine in der Wohnung, im Altersheim.
In den Ausschnitten, die von Opoe erzählt werden, wirkt ihr Leben wenig auf eigener Entscheidung basierend, sonder im Gegenteil, oft fremdbestimmt. Eins scheint sich aus dem anderen zu ergeben und Opoe im Strom der Zeit. Über sein eigenes Leben spricht der Erzähler aus einer anderen Position heraus: aus einer Gegenwart, die er immer wieder selbst befragt und reflektiert. Eine Gegenwart, deren Reflexion ihn auf Fragen nach der eigenen Identität, nach Beziehung und Intimität treffen lässt. Währen die Erzählung über Opoe und ihr Leben als eine unabänderbare Fügung erscheint, scheint das Leben des Erzählers als eine Summe aus Teilen, Möglichkeiten und Diskursen auf. Diese Gegenüberstellung einer scheinbaren Fügung des Lebens und einer ergebnis- und möglichkeitsoffenen Lebensrealität ergibt in der Lektüre ein reizvolles Mit- und Gegeneinander. „Opoe“ ist weniger ein klassischer Roman. „Opoe“ ist eine Erzählcollage. Auf die Lektüre muss man sich einlassen, das lohnt.


Opoe. Donat Blum, 176 Seiten. Erschien im August 2018 bei Ullstein fünf.

Ein Gespräch zwischen Donat Blum und Lukas Rietzschel über ihre Debütromane und ihr Schreiben kann Hier angesehen werden.

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