Literatur

DIE SANFTE GLEICHGÜLTIGKEIT DER WELT Peter Stamm

img_6662.jpgLena und Christoph treffen sich in Stockholm. Sie spazieren durch die Stadt. Der Grund ihres Treffens? Christoph glaubt Lena oder besser gesagt ihr Leben zu kennen. Denn er, Christoph, sei früher mit Magdalena zusammen gewesen, die mit Lena einiges gemeinsam hat. Weiter noch. Lenas Freund Chris habe Christoph schon vor Jahren getroffen und er sei so etwas wie sein Doppelgänger. Dass es Abweichungen gäbe, stellen Christoph und Lena fest, doch im Großen und Ganzen scheinen Lena und Chris ein Abbild von Magdalena und Christoph zu sein.

Bildschirmfoto 2018-08-02 um 19.59.38Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt, der aktueller Roman von Peter Stamm, spielt an einem einzigen Tag und arbeitet mit zahlreichen Rückblenden und Rückerinnerungen. Was man dem Roman zu Gute halten kann, ist, dass er sich traut neue Pfade zu beschreiten. Es ist kein durch und durch realistischer Erzähltext, wie wir ihn sonst von Peter Stamm kennen. In Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt kippen eine realistische und eine surrealistische Welt-Wahrnehmung immer wieder ineinander. Kann es sein, dass Christoph in Chris wirklich sich selbst trifft? Dass die ganze Welt eine ewige Wiederholung ist? Der Roman wirft philosophische Fragen auf. Oder sollte man nicht eher sagen: Er WILL philosophische Fragen aufwerfen. So bemüht, so konstruiert wirkt er über weite Strecken. Da gibt es beispielsweise die knappe Gegenwart, die nur zu existieren scheint um die eigentliche Geschichte, die Rückblenden erzählen zu können. Oder es gibt Lena, die die Erzählung über blass bleibt und die nur eine Rolle inne zu haben scheint: Die der Zuhörerin.

Was Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt mit Peter Stamms Kurzprosa und seinen zahlreichen Romanen, von Agnes bis Weit über das Land (Auf textmagazin Hier besprochen) gemeinsam hat, ist die klare, nüchterne Sprache. Diese Sprache besticht und lässt mich sogar einen Roman wie diesen gerne zu Ende lesen. Mit einer Leseempfehlung möchte ich also dennoch enden: Lest Peter Stamms Kurzprosa (mittlerweile gesammelt in Der Lauf der Dinge erschienen), lest Agnes, Nacht ist der Tag oder Weit über das Land. Nur vielleicht nicht unbedingt Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt


Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt. Peter Stamm, 160 Seiten, erschien 2018 bei S. Fischer

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