Literatur

DAS VERGESSENE FEST Lisa Kreißler

IMG_8229Um die weißen Kästen mit grauer Schrift ranken sich Pflanzen, Blätter, Gestrüpp. Dazwischen Käfer, Schmetterlinge, Raupen. Das vergessene Fest führt uns in den Wald. Dort treffen die Freunde Nina, Arif, Ronda und deren kleiner Sohn Charlie auf eine Gruppe Menschen, die dort ein mystisches, verzaubertes Fest feiern. Die Gruppe nimmt sie auf, schließt sie ein in dieses fremde Ritual und die drei lassen sich treiben. Fernab von dem, was zuvor geschehen war.

Bildschirmfoto 2018-06-19 um 11.30.11Sie sind zu dritt weggelaufen von Ninas Hochzeit. Dort geschah alles anders als erwartet. Nina und ihr Bräutigam Philipp auf einer Lichtung. Freunde, Familie, eine Blaskapelle. Und dann sagt Nina: Nein. Sie trennt sich von Phillip, am Tag der Hochzeit. Die Gäste bleiben, zu einem ziellosen Fest und Nina, Arif, Ronda und Charlie entfernen sich von der Gesellschaft, laufen ebenso ziellos in den Wald.

Das vergessene Fest, sei ein „Roman über (…) das Irrewerden an der Wirklichkeit, der hineinführt in eine aufs Neue verzauberte Welt“, heißt es in dem kurzen Text auf dem Buchrücken. Das vergessene Fest mutet über weite Strecken konventionell erzählend an. Diese Konventionalität wird jedoch immer wieder durch Zwischenerzählungen und Formwechsel des Textes gestört. Die mystische, vielleicht fantastische Geschichte um Nina, Arif, Ronda und Charlie wird zwar chronologisch erzählt, wird jedoch immer wieder unterbrochen. Erzählungen, die dazwischen stehen, die vielleicht Träume, vielleicht Vorstellungen der Figuren sind. Im letzten Drittel der Erzählung wechselt der Text so plötzlich die Form als würde er selbst sich einer Traumlogik der Metamorphosen verschreiben. Er wird zu einem Dramentext mit Figurenregister, Figurenrede und Nebentext. Dieser Abschnitt liest sich flüssig, weil hier auf einmal mehr zwischen den Figuren passiert, weil man hier mehr über sie erfährt.Bildschirmfoto 2018-06-19 um 11.33.47

Im restlichen Text bleiben die Figuren blass. Nina, Arif, Ronda: man kann sie kaum greifen. Das mag an dem Changieren zwischen Fantastik und Realität liegen, an diesem „Irrewerden an der Wirklichkeit“.

Das vergessene Fest ist keine einfache Lektüre. Sie fordert und bricht immer wieder die gerade aufgebaute Rezeptionshaltung. Ob es sich bei Das vergessene Fest wirklich um einen Roman handelt, kann durchaus hinterfragt werden. Denn am Ende bleibt eher der Eindruck einer Collage, die weniger eine Handlung erzählt, als jene Themen umkreist: Traum, Wirklichkeit und das Irrewerden an jener.


Das vergessene Fest. Lisa Kreißler, 192 Seiten, erschien im Februar 2018 bei Hanser Berlin . Zu einer Leseprobe gelangt man Hier.

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