Literatur

SCHLICK Ada Dorian

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In Ada Dorians Roman „Schlick“ trifft man auf Svea und Christian, geht mit ihnen in die Mensa, betritt das Haus, das alte Haus, von Christians Familie, in dem Svea nun wohnt. Christian ist abwesend, wird den ganzen Roman über abwesend sein und Svea allein, mit dem kleinen Linus.
Sie sitzt jetzt nicht mehr in der Mensa, ist jetzt Mutter, in einem alten Haus, mit Garten, mit alten Bäumen und mit einem Keller. Das ist fremd für Svea, das Haus und ihr ganzes Leben, Mutter zu sein. Im Keller: Fotos und Erinnerungsstücke von Christians Familie. Dort findet Svea ein Bild, Helene ist darauf zu sehen. Dass es Helene ist, weiß Svea nicht, als sie das Bild findet. Aber dass Helene etwas mit dem Haus zu tun hat und irgendwie auch mit ihr, das spürt sie und so trägt sie das Bild nach oben.

Bildschirmfoto 2017-12-14 um 16.09.26In „Schlick“ verschränken sich zwei Leben, werden zwei Erzählstränge nebeneinander gestellt: Svea und Helene. Zwei Frauen, die in unterschiedlichen Zeiten im selben Haus leben, deren Zustände sich mal annähern, sich mal entfernen. Die Erzählungen wirken jedoch unterschiedlich stark. Während Helenes Erzählung auch ohne Svea stehen könnte, braucht die Erzählung um Svea doch Helene. Das, was Svea umtreibt, die Gedanken um Familie, ums Erinnerung, ums Muttersein werden doch alle vor dem Hintergrund Helenes gedacht.

Etwas an der Nebeneinanderstellung scheint nicht ganz aufzugehen. Würde man die Erzählungen auf die Wage legen – die Wagschalen würden sich nicht ausgleichen. Helenes Erzählstrang würde ein stärkeres Gegengewicht brauchen.

Ada Dorians Sprache dafür ist klar und geradlinig und so liest sich „Schlick“ dennoch schön, auch wenn da bis zum Schluss diese Hoffnung bleibt, dass mehr um Svea herum passiert, dass sie nicht bis zum Schluss als Rahmenhandlung zu Helene erscheint. Vielleicht will Ada Dorians Roman genau so etwas sagen: Dass Erinnerung stark ist, dass Vergangenheit die Gegenwart überschattet.


Schlick. Ada Dorian, 272 Seiten, erschien im Oktober 2017 bei Ullstein fünf.
Vielen Dank an den Verlag für das Leseexemplar.

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