Literatur

DAS FELL Maren Wurster

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Eine „Road Novel“ nennt Terézia Mora das, was Maren Wurster geschrieben hat. Die Autorin debütiert mit einem bekannten Stoff: Komplizierte Beziehung. Liebeskummer. Traurigkeit. Wut.

Vic wollte mit ihrem Freund Karl in den Urlaub fahren. Sie hat sich frei genommen. Aber dann eine Nachricht: Karl ist schon verreist. Mit seiner kleinen Tochter Lotta und, was Vic beunruhigt, auch mit Lottas Mutter Annika. Vic fühlt sich alleine gelassen, gelähmt. Eine tranceartige Phase.
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Doch dann beschließt sie, Karl hinterher zu fahren, mit einem Stein im Gepäck. Es ist ein langsamer Roadtrip, den Vic unternimmt. Mit dem Fahrrad, vorbei an Seen und durch Wälder. Wie Maren Wurster das erzählt, was sie erzählt, das hat man so lange nicht mehr gelesen: Eine kafkaeske Metamorphose, die sich in der Protagonistin vollzieht.
Sich der Außenwelt gegenüber ein dickes Fell zuzulegen: In Das Fell bleibt das kein Sprichwort mehr. Denn da wächst etwas auf Vics Rücken, eine Rauheit, da sprießen Haare.
Vics Verwandlung geschieht weniger plötzlich als bei Gregor Samsa, sie ist eher ein Prozess. Aber mit ihrer Verwandlung bröckelt auch das Verhältnis der Protagonistin zur Außenwelt, wird ein unsicheres, ein bedrohliches.

Vics Fahrradtour bis an die Ostsee, bis zu Karl, Lotta und Annika, führt sie an diversen Menschen vorbei. Darunter auch Timo. Timo, der ihr das Firmament auf den Oberschenkel trommelt, neben dem sie einschläft und zwischen dessen Locken sie Hörner entdeckt. Pan, wie den mythologischen Gott des Waldes und der Natur, nennt sie Timo zum Abschied und lässt zu, dass er ihr Fell berührt: Zwei Verwundete, die sich näher kommen. right

So ganz „Road Novel“, erscheint einem Das Fell an solchen Stellen nicht mehr. Eher wie eine große Metapher über das Loslassen, die sich mythologischer Motive bedient.

Loslassen muss Vic nicht nur Karl, das wird schon auf ihrem Weg zur Ostsee deutlich. Immer wieder begegnen ihr Kinder. Da ist zum Beispiel Lukas, ein kleiner Junge auf einem Bauernhof, um den sie sich für ein paar Tage kümmert oder das Baby ihres Bruders, das sie nicht in den Schlaf zu wiegen vermag.
So vollzieht Vic mit ihrer Reise einen wütenden Abschied von Karl, aber auch einen sanften von der kleinen Lotta und vielleicht auch einen von ihrem eigenen Kinderwunsch.

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Das Fell von Maren Wurster, 156 Seiten, erschien im Juli 2017 bei Hanser Berlin. Maren Wurster studierte am Literaturinstitut Leipzig und Das Fell ist ihr Debütroman. Hier kann man sich einen von Maren Wurster gelesenen Ausschnitt aus Das Fell anhören.

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2 Kommentare zu “DAS FELL Maren Wurster

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