Literatur

WIR BLEIBEN IN DER NÄHE Tilman Rammstedt

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Was passiert eigentlich, wenn man sich aus den Augen verliert? Oder wenn sich eine dazu entscheidet, die anderen aus den Augen zu verlieren? Wenn man sich drei Jahre nicht sieht und dann liegt da auf einmal eine Hochzeitseinladung in der Post? Von Katharina. „Bitte komm!“, steht in Handschrift darauf. Felix will kommen, aber besser vor der Hochzeit, die so überhaupt nie geplant war. Denn irgendwann war mal abgemacht, dass er zuerst heirate, danach Katharina und dann Konrad. Das ist lange her, aber das gilt noch. Auch, wenn nach eben dieser Abmachung sowieso nochmal alles ganz anders wurde: Weil Katharina und Konrad zu KatharinaundKonrad wurden und weil Katharina und Felix nicht zu KatharinaundFelix wurden, aber zumindest zu irgendwas in die Richtung. Wenigstens an den Donnerstagen, an denen Konrad nicht in der Stadt war, an denen Katharina irgendwann nicht mehr neben Felix auf dem Sofa lag, sondern mit Felix.
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Das mit dem Ende, mit dem Weggehen von Katharina, das lief dann alles viel zu schnell und war auch nicht wirklich abgesprochen – weder mit Felix noch mit Konrad.
Eine gute Idee wäre vielleicht, erstmal hin zu fahren, Katharina zu überraschen, einfach aufzutauchen und zu schauen, was passiert.
Überhaupt, sich diesem Zusammensein auszusetzen, nach drei Jahren. Endlich mal zu klären, wie es mit ihnen weiter geht. Natürlich könnte man das ganze auch einfach auslaufen lassen, aber das ist auch nicht richtig, das wäre auch nicht nach Plan.

Richtig bewusst war das Felix zwar bis zu dieser Hochzeitseinladung nicht, aber rückblickend kann er nun sagen, dass die drei Jahre ohne Katharina im Prinzip verlorene Jahre waren. Jahre des Wartens. Ein Warten darauf, dass irgend etwas wieder los geht. Das ist es, was Felix möchte: Dass etwas wieder los geht. Aber es geht nichts los. Vielleicht dauert das aber auch nur. Vielleicht braucht das Zeit. Vielleicht braucht das eine Reise in ein Sommerhaus am Meer. Vielleicht braucht das Muschelessen, viele Partien Fang den Hut und Strandspaziergänge. Und wenn das wiederum bedarf, ein Auto zu klauen und Katharina zu entführen, dann braucht es auch eine Bedingung. Denn jede Entführung braucht eine Bedingung, sonst ist sie keine echte Entführung.

Tilman Rammstedts Erzählung ist an vielen Stellen humorvoll und unterhaltend ironisch. Aber sie stellt ganz unironische Fragen, danach, was Freundschaften und Beziehungen zum Aushalten benötigen und thematisiert diesen Gefühl, das nicht nur Felix, Konrad und Katharina kennen. Denn hat nicht jeder mal diesen Drang, diesen Wunsch, dass endlich mal etwas losgeht, was auch immer, aber dass es endlich losgeht?


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