Literatur

LANZ Flurin Jecker

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 „ICH WOLLTE LYNN UND KEINEN SCHEISS BLOG“ (Flurin Jecker)


Mit diesen Worten beginnt Flurin Jeckers Debüt. In „Lanz“ geht es dann aber viel mehr um den Blog als um Lynn. Umso länger man Lanz zuhört, umso mehr fragt man sich, ob Lanz diesen Blog nicht irgendwie doch will, Lynn aber gar nicht so sehr. Flurin Jeckers Roman erzählt von keiner Teenie-Liebe. Es geht um Lanz und sein Leben, um seine Gedanken, um die Beziehungen zu seinen Freunden und seinen Eltern und um seine Ängste, auch wenn Lanz das nicht zugeben würde. Obwohl die Sprache bisweilen nervt (ein schweizerdeutscher Jungendslang) gehört sie doch dazu. Dann nervt sie halt mal die Sprache. Und obwohl der Plot so gut wie nicht vorhanden ist, gibt es auch keinen wirklichen Grund sich darüber zu ärgern. Welcher Blog hat denn bitte einen spannenden Plot?
„Lanz“ ist ein einfühlsames und erzählenswertes Portrait eines 14 Jährigen, der mit sich, seinen bisherigen Erfahrungen, mit seinem Umfeld und der Pubertät mit allem was dazu gehört, hadert. Obwohl es in „Lanz“ kein großes Drama gibt, kommt man dem Protagonisten dieser Erzählung an manchen Stellen doch ziemlich nah.


„Weil mir Mam und Babs früher jeden Tag sagten, dass ich jaaa nie zu einem Mann ins Auto gehen und seine Modelleisenbahn anschauen dürfe, den ich nicht kannte. Und logisch verstehe ich, dass sie das sagten. Aber weil sie das halt jeden Tag sagten, bekam ich sogar Schiss, wenn eine Mutter von jemandem eine Geburtstagstorte in die Schule brachte. Vor allem hatte ich Angst irgendwo alleine hinzulaufen, egal ob am Morgen oder am Abend (…).“ (Flurin Jecker)


Bei Lanz ist eigentlich alles in Ordnung, aber alles eben nicht so ganz.
Seine Eltern haben sich scheiden lassen. Das ist okay, aber wenn Lanz es sich aussuchen könnte wären sie noch zusammen. Die Besuche bei seinem Vater bringt er hinter sich. Aber so spannend wie früher findet Lanz sie längst nicht mehr.


„Darum schreib ich ihm manchmal, dass ich krank sei. Und Babs wünscht mir dann meistens sogar eine gute Besserung. Dann tut es mir leid, weil ich ihn angelogen habe(…), Dann habe ich viel, dass ich mir gleich wieder wünsche, dass ich am Abend bei ihm schlafen würde.“ (Flurin Jecker)


Dieses Hin-und-her-Schwanken, das Nichtwissen wohin mit sich, diese Unsicherheit und Unzufriedenheit, dieses sinnlos durch die Gegend Laufen oder einfach mal in den Zug steigen um rauszufinden wie lange es dauert bis Mam sich meldet – Das alles macht uns Lanz so nahbar, lässt uns diesen 14-Jähringen Projektwochenblogger ins Herz schließen.
Fast möchte man gegen Ende ein paar ermutigende Worte zwischen die Seiten flüstern:
„Das wird schon Lanz! Wenn wir da durchgekommen sind, dann schaffst du das auch!“

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„Lanz“, Flurin Jecker, 128 Seiten, erschienen im Februar 2017 bei Nagel & Kimche.
Flurin Jecker studierte am Literaturinstitut Biel und arbeitet als selbstständiger Journalist. „Lanz“ ist sein erster Roman.

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

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