Theater

AUS DEM LEBEN EINES TAUGENICHTS am Jungen Theater Göttingen /DT Göttingen

 „Mir war es wie ein ewiger Sonntag im Gemüte.“


(Aus dem Leben eines Taugenichts, Eichendorff)


Taugenichts_FotoDHeise (5) Foto: © Dorothea Heise, dorothea-heise.de

So ein Taugenichts, der hat es nicht leicht im Leben. Der steckt ständig mitten im Gefühlschaos und hat mit ganz großen Themen zu tun. Liebe zum Beispiel oder Heimweh, alles ganz ganz schlimm und zugleich herzzereißend schön.
Mal kann man da zwischen Glitzerkonfetti auf Blumenwiesen tanzen und dann steht man wieder bis zu den Knöcheln im schwarzen Plastikplanschbecken mit schwarzem Regenschirm und Regenschauer,  schwärzer als schwarz. Wenn das mal nicht klappt mit dem Wieder-glücklich-werden, dann bekommt der Taugenichts auch mal ein Magnum Eis zugesteckt. Das mit weißer Schokolade natürlich, das alle am liebsten mögen.  Dann muss auch ein Taugenichts wieder grinsen und weiter geht’s.

Taugenichts_FotoDHeise (3)Foto: © Dorothea Heise, dorothea-heise.de

Der Taugenichts, gespielt von Frederik Schmid, taumelt durch dieses Leben. Nur nach draußen, durch diese Tür an der Bühnenrückwand geht er nicht. Alles bleibt im Theater, auf der Bühne, findet zwischen zwei roten Vorhängen statt. Da passt Eichendorffs Romantikerzählung auch ungeahnt gut hin: Ganz großes Drama, Herzschmerz, schräge Musicalsongs.
Eichendorffs Motive, die man irgendwann mal fleißig im Schulunterricht herausgearbeitet hat: Liebe, Sehnsucht, Fernweh etc. kommen in Johannes Enders Inszenierung nicht zu kurz. Da gibt es von allem etwas, da wird an nichts gespart. Zwischen all den äußerst gelungenen komischen Momenten, stecken auch ein paar ernste und ruhige Szenen. Linda Elsner, Karl Miller und Frederik Schmid spielen ihre Rollen mit einem unglaublich stimmigen Maß an Witz und Ernsthaftigkeit zugleich. Das wird einer Erzählung, von der man sich fragt, was sie denn in unserem heutigen Leben überhaupt noch zu sagen hat, mehr als gerecht.
Die Komik, räumt all die romantische Übersteigerung beiseite und legt den Blick frei auf Themen, die uns gerade heute bewegen: Heimat zum Beispiel und die Frage wo man hingehört. Scheitern können und Gewinnen wollen. Die Frage, wer man ist und wer man sein möchte.

Taugenichts_FotoDHeise (2)-1 Foto: © Dorothea Heise, dorothea-heise.de

AUS DEM LEBEN EINES TAUGENICHTS inszeniert von Johannes Ender ist eine Koproduktion des Jungen Theaters Göttingen und des Deutschen Theaters Göttingen


 

6 Kommentare zu “AUS DEM LEBEN EINES TAUGENICHTS am Jungen Theater Göttingen /DT Göttingen

    • Danke für deinen netten Kommentar. Das ist schön zu hören. Ja, das ist natürlich mit Inszenierungen immer so eine Sache. Aber falls du mal in der Nähe bist, kann ich dir das Stück nur empfehlen.
      Liebe Grüße,
      Milena

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  1. Liebe Milena,

    das klingt nach einer interessanten Inszenierung. Das Buch habe ich vor einer ganzen Weile gelesen, aber ich fand es ziemlich dröge. Vielleicht kann mir so ein Theaterstück einen frischen Zugang zum „Taugenichts“ bringen.
    Gehst du öfter ins DT Göttingen? Ich war bisher einmal dort und fand es eher so mittelmäßig…ist aber auch schon ein paar Spielzeiten her.

    Liebe Grüße
    Juliane

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Juliane. Ja, bei mir ist das auch schon eine ganze Weile her, dass ich den „Taugenichts“ gelesen habe- in meiner Schulzeit. Eichendorff hat ja doch auch viel von diesem romantisch pathetischen Kitsch, den man, meiner Meinung nach, in unserer heutigen Zeit total schwer ernst nehmen kann. An der Inszenierung am Jungen Theater hat mir deswegen auch vor allem der Humor gefallen, der den Kitsch irgendwie immer wieder aufgebrochen hat.
      Ich wohne selbst nicht in Göttingen und bin deswegen auch nicht ständig dort im Theater. Über diese Spielzeit kann ich leider nicht so viel sagen, aber ich glaube das Programm im Jungen Theater ist auch ziemlich breit gefächert. Vielleicht lohnt es sich ja für dich tatsächlich nochmal reinzuschauen. Im April hat „Invasion“ Premiere, das wollte ich mir gerne ansehen. Ein zeitgenössischer Stücktext (2008) der sich mit dem Thema kulturelle und sprachliche Identität auseinander setzt – also, anders als der Taugenichts, auch vom Text her schon aktueller ist. Vielleicht ist das ja auch was für dich. Gehst du denn häufiger in einer anderen Stadt ins Theater?
      Ich schicke dir liebe Grüße,
      Milena

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      • Liebe Milena,
        ja genau, dieser unglaublich langatmige Kitsch war es wohl, den ich so unerträglich fand. Obwohl der Taugenichts ja auch ständig unterwegs ist, hatte ich das Gefühl, dass nichts passiert in der Handlung. Wie du schon sagst, ist der Text in seiner Rohgestalt heute nicht mehr ganz zeitgemäß. Wie gut, dass es Theater gibt, die sich solchen Stoffen annehmen und ihn in unsere Zeit tragen.
        Deinen Tipp „Invasion“ merke ich mir auf jeden Fall für meinen nächsten Gö-Besuch vor. Ich gehe eigentlich meistens in Berlin ins Theater. Zuletzt war ich in der 7-stündigen „Faust“-Inszenierung von Frank Castorf in der Volksbühne. Das war schon krass, vor allem auch wegen der Länge. Aber am Ende war es eine echt schöne Erfahrung.
        Gehst du denn meistens in Kassel ins Theater?
        Liebe Grüße
        Juliane

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      • Liebe Juliane. Oh wow. 7 Stunden ist schon eine ganze Weile. Aber ist bestimmt eine spannende Erfahrung! Bei mir steht auch noch auf der Wunschliste irgendwann noch die 8 Stunden Faust 1+2 Inszenierung von Nicolas Stemann ansehen. Hat bis jetzt aber noch nicht geklappt. In Kassel war ich viel im Theater, als ich dort gewohnt habe und mag das Theater dort auch wirklich gern. Gerade gehe ich oft in Hannover ins Theater. Wenn ich irgendwo unterwegs bin, versuche ich aber, wenn es klappt, auch einen Theaterbesuch in der entsprechenden Stadt einzuplanen. Irgendwie sind Inszenierungen ja nicht nur von Regisseur zu Regisseur unterschiedlich, sondern auch an Theatern gibt es bestimmte Trends und Tendenzen, das finde ich immer ganz spannend zu beobachten und interessiert mich total=). In Berlin war ich leider schon ewig nicht mehr, aber alleine schon um ins Theater zu gehen würde es sich mal wieder lohnen!
        Ich schicke dir liebe Grüße!
        Milena

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