Theater

THE WHO’S TOMMY Wiederaufnahme am Staatstheater Kassel

the-who-s-tommy-36.jpg© N.Klinger

The Who’s TOMMY startete Anfang März mit einer ausverkauften Wiederaufnahme in die zweite Runde. Nach dem Erfolg im letzten Sommer wird TOMMY zur kommenden Spielzeit mit ein paar Umbesetzungen wieder aufgenommen.
Obwohl TOMMY sich als Rockoper, oder auch Musical bezeichnen ließe, findet die Inszenierung im Schauspielhaus statt. Die erste Aufführung zur Wiederaufnahme am 3. März war vollbesetzt. Sowohl die regulären Plätze als auch die Bankreihen, die auf der Bühne aufgebaut wurden. Folglich ist die Bühne nicht die Bühne. Vielmehr bewegen sich die Schauspieler über stegartige Rampen und eine Treppe durch das Publikum. Das Ganze hat etwas Laufstegartiges. Dazu passen die Kostüme. Die Frauen mal in transparenten kurzen Kleidchen und Schulmädchensocken, mal in wehendem blauen Umhang. Die Männer in sportlich schickem Outfit, in Sneakerstiefeln und Shirts mit Blumenprint. Die Kostüme wirken poppig und man könnte sie sich ebenso gut auf einer Fashionshow vorstellen.

The Who´s Tommy
© N.Klinger

Unterhaltsam ist das Stück allemal. Es  gibt viel zu sehen: Glitzer, Lichter, luftige Kostüme und eine als Tommy verkleidete Kinderschar. Nur die Story will nicht so recht durchdringen. Man weiß, dass es um einen Jungen namens Tommy gehen soll. Dass dieser blind und taubstumm ist, darauf wird man in Großbuchstaben auf verschiedenen Din-A4 Ausdrucken hingewiesen, die eine von den vielen einheitlich gekleideten Frauen ins Publikum hält. Tommy wird auf unerklärliche Weise zur Pop-Ikone. Zumindest rennen ihm ab einem gewissen Punkt in der Rock-Oper alle anderen Schauspieler, und davon gibt es in TOMMY nicht wenige, hinterher oder kopieren seine Bewegungsmuster. Irgendwann taucht dann eine als Tommy verkleidete Kindercrowd auf, hüpft im Takt und wedelt mit den Armen.Obwohl das Musical hier und da auch ohne Vorwissen unterhaltsam ist, bleibt am Ende doch die Frage: Und worum ging es nun? Immerhin, eine überdimensionale Beamerprojektion eines Flipperautomaten auf das weiße Haus im Hintergrund der „Bühne“ lässt erahnen, was aus Tommy, dem blinden, taubstummen Jungen in der Rockoper von The Who wird. Die von den Schauspielern gesungenen Texte würden vielleicht noch mehr Aufschluss über das bewegte Geschehen auf der Bühne geben, bleiben aber leider den Großteil der Zeit unverständlich. Fast wünscht man sich aus der Oper bekannte Texttafeln, die man während der Vorstellung die Hälfte der Zeit anstarren kann, um das, was auf der Bühne passiert, zu verstehen.



the-who-s-tommy-56.jpg                                                                                                                                                                                                                           ©
N.Klinger

Schaut man sich jedoch im Publikum um, fällt auf, dass viele der Zuschauer die Texte bereits kennen und teilweise begeistert mitklatschen und mitsingen. Vielleicht muss man das Album von The Who kennen, um Spaß an TOMMY zu haben. Vielleicht genügen aber auch Glitzer, hüpfende Kinder, eine ausgefallene Bühne und das alles in eine poppige Musikshow verpackt.

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